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6-Stunden-Lauf Steenbergen (NL)

5. März 2006

Ich glaube, das ist nichts für mich, so stundenlang im Kreis laufen.

(nach meinem ersten 6-Stunden-Lauf, 2004)


Als ich dem Harald vor zwei Jahren in Waldhessen während der Siegerehrung erzählen sollte, wie ich meinen ersten 6-Stunden-Lauf fand, war ich wenig begeistert. Dieses Art des Zeit herunterlaufens - und dann noch im Kreis - war nicht mein Ding. Entweder lag es an der mangelnden Orientierung, oder der Unfähigkeit abschalten und geniessen zu können. Zu sehr war ich mit Hochrechnungen über "Rundenanzahl dividiert durch Rundenlänge mal Kilometerzeit und wieviel Stunden bleiben noch" beschäftigt. Ausserdem verhaspelt man sich spätestens nach der 5. Runde mit der Anzahl bereits gelaufener Runden.

Nunja, mit der Zeit kommt die Einsicht, dass monotones im Kreis laufen über einen langen Zeitraum einen sehr grossen "Abschaltfaktor", und somit auch einen gewissen Reiz hat. Und weil's gerade in die Terminplanung passt, geht es Sonntag morgens um 06:00 Uhr gemeinsam mit Stefan in Richtung Niederlande zum "DataByte zes uur van Steenbergen" - der zweiten Auflage des 6-Stunden-Laufes in Steenbergen.


Vor dem Start.

Auf dem Weg vom Parkplatz zum "Sekretariat" sieht man, dass die letzten Vorbereitungen getroffen werden: Sprecher-LKW, Versorgungszelte und Chip-Matten zum Runden zählen werden aufgebaut. Im vorbeigehen bekomme ich mit, wie der Veranstalter die Lokalpresse mit Jesper Olsen aus Dänemark zusammenbringt, der von Januar 2004 bis Oktober 2005 die Welt umrundet hat - natürlich laufend(!).

Es fängt es an zu schneien.

Stefan baut einen Klapptisch für seine Getränke auf. Ausser ein paar Gel-Chips (Werbegeschenk) und einer Flasche Apfelschorle habe ich nichts mit. Die Obst- und Getränkebar am Verpfelgungsstand muss reichen. Handschuhe, Mütze, Jacke, Buff - gut eingepackt schleichen wir zum Start und um 10:00 Uhr geht's los. Der Schneefall hört auf und die Sonne kommt wie bestellt heraus.


Die Sonne komt doch noch raus.

Eine Runde ist 2.102km lang. Sie beginnt an einer Turnhalle vor der ChampionChip-Matten zum Runden zählen ausliegen, führt über von Frostschäden gebeutelte Gehwegplatten, quert ein Wohngebiet - Bordstein runter, Bordstein hoch, weiter über ein Stück Wiese, welches mit einer Matte abgedeckt ist, und geht danach vorbei an einem kleinen See.


Einfach schön ...


... schön windig, leider von vorne.

Es folgen ein paar Einfamilienhäusern (klassischer Hollandbaustil - malerisch), eine Abbiegung, Bürgersteige bis zu einer Tankstelle und danach eine im Zickzack verlaufenden Nebenstrasse (sehr windig), die schliesslich zurück zur Turnhalle führt.

Alles in allem Topfeben, Verkehrstechnisch abgesperrt bzw. abgetrennt, bewacht, betreut und recht gut zu laufen.

Im 5:00er min/km Tempo ist die Runde nach 10:30min absolviert, und weil ich mich in der ersten Stunde gut fühle, gibt es auch keinen Grund langsamer zu werden. Im Gegenteil, die magische Grenze von 70km vor Augen lässt sich der Wechsel von Sonne, Wind und Schnee leicht ertragen. Typisches April-Wetter im März!


Winkelstraat.

Nach 2 Stunden und damit 12 Runden werden die Beine leicht müde. Immer wieder überholen und überrunden die "frischen" Team-Läufer, die sich die Strecke ja letztlich zur dritt teilen. Andere wie der spätere Gewinner Lucien Taelman aus Belgien (Shirt-Aufdruck: "Weltrekord 1994 - 90km in 6 Stunden") oder der zweitplazierte Jesper überrunden, als wären sie erst Stunden später eingestiegen.

Als ich zum Ende der 20. Runde, die fast exakt der Marathondistanz entspricht, über die Rundenzählermatten laufe, zeigt die Uhr 3:30h an. Noch 28km, "das muss doch zu schaffen sein". Rechnerisch schon, aber diese Gedankenspielchen vernachlässigen immer die Müdigkeit der Muskeln, die im Quadrat zu wachsen scheint. Das Runden"mit"zählen macht dafür diesmal keine Probleme.

Einige Läufer müssen immer öfter Gehpausen einlegen - die Körperhaltung läst zu wünschen übrig. Andere laufen recht konstant durch und eignen sich zum "dranhängen". Der Gegenwind am Ende der Runde nervt, und so werden die letzten 2:30h ein ständiger Kampf zwischen Rundenzeiten und winzigen Auszeiten am Verpflegungsstand. Nur "lang" wird es nicht - im Gegenteil: Die Zeit wird knapp und die letzte der 6 Stunden rast dahin.


Verpflegung und Rundenzähler.

Erst 8 Minuten vor Schluss ist die 33. Runde (69.3km) absolviert - knappe Kiste. Bis die Drucklufthupen entlang der Strecke das Ende der Veranstaltung kund geben sind es mit den Restmetern insgesamt 70.887km. Yipiehh! :-)))

Nur dem Glücksgefühl und meiner grenzenlosen Sebstzufriedenheit ist es zu verdanken, dass ich anschliessend sogar diese Kneipp-Gedächtnis-Duschen ertrage.

Fazit: Es gibt Tage an denen es einfach läuft, aber ich glaube, das ist nichts für mich, so stundenlang im Kreis laufen. ;-)

(Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Organisation. Danke an Peter Suijkerbuijk.)

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