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1. Hagen-Jadebusen-Lauf (274km in 5 Tagen)

15.-19. April 2003

Die Idee mal einen mehrtägigen Lauf zu absolvieren ist mir nach dem Rodgau-Ultra im Januar in den Sinn gekommen. Nicht wettkampforientiert, vielmehr Genusslaufen - von Daheim gen Norden. Schauen was Land und Leute hergeben und der Körper so vertägt.


  1. Etappe: Hagen-Hohenlimburg, Garenfeld, Villigst, Schwerte, Holzwickede, Unna, Hamm
  2. Etappe: Hamm, Ahlen, Sendenhorst, Everswinkel, Telgte
  3. Etappe: Telgte, Ostbevern, Lienen, Georgsmarienhütte, Osnabrück
  4. Etappe: Osnabrück, Hulle, Damme, Lohne, Vechta
  5. Etappe: Vechta, Visbek, Ahlhorn, Grossenkneten, Kirchhatten

In der Woche vor Ostern 2003 ist die Gelegenheit günstig: Die Wetteraussichten sind bestens, die Kinder versorgt und der Mut zum Aufbruch ausreichend. Die guten Wünsche der Freunde und Verwandten reichen vom "augenzwinkernden Vogel zeigen" bis hin zur ernst gemeinten Forderung "Übernehmt euch nicht!". Wir versprechen (besonders uns selbst) es ruhig angehen zu lassen.

Hagen-Jadebusen

Die Vorbereitung hält sich in Grenzen. Laufklamotten, Wechselzeug für Abends, Plastikgeld, Verpflegung und Equipment für den Hund. Auf der Generalkarte Deutschland wird mit dem Lineal ein Strich zwischen Hohenlimburg und Jadebusen gezogen. Die Orte dazwischen suchen wir auf einem Fahrradkartensatz heraus und verbinden die Radwege dazwischen mit dem Textmarker zu unserer Route.

5 Tage Zeit müssen aus organisatorischen Gründen für die Strecke Hagen-Hohenlimburg (östliches Ruhrgebiet/Sauerland) bis zum Jadebusen reichen. Meine Frau opfert sich, und fährt mit dem Rad und einem Anhänger für das Gepäck und die Verpflegung mit :-), unsere Siberian Husky Hündin läuft natürlich im Geschirr mit. Falls es für den Hund zu bunt wird, kann der ja ebenfalls in den Hänger.

Hagen-Jadebusen Hagen-Jadebusen

Dienstag morgens geht es los. Sonnenschein, die Temperaturen sollen die ganze Woche über 20° Grad gehen - nur in der Früh' ist es schattig, also Jacken raus. Die ersten KM führen entlang der Lenne und Ruhr Richtung Schwerte/Unna. Die Radwege sind im Ruhrgebiet und in Norddeutschland übrigens optimal ausgeschildert. Später sollte sich noch herausstellen, dass ausgerechnet in der Rad-Touristik-Region Nr1 - dem Münsterland - dies nicht der Fall ist. Noch problematischer wird es im Teutoburger Wald, wo neben den Steigungen auch immer wieder 3-4km Umwege als Folge miserabler Ausschilderungen auf uns warten. Doch dazu später.

Von nun an geht es über Land, von Dorf zu Dorf - Richtung Hamm. Als Orientierungspunkte eigen sich im Flachland besonders Kirchen, zumal sie im Mittelpunkt der kleinen Orte und Dörfer stehen, schon von weitem zu sehen sind, und fast immer eine Eisdiele im Umkreis von 100m parat haben ;-) Hinzu kommt, dass i.a.R. mehrere Radwege auf dem Kirchplatz kreuzen.

Das Tagespensum umfasst meist 25-30km am Vormittag, Pause, 2x 10-15km am Nachmittag mit anschliessender Hotelsuche. Ca. alle 30min müssen wir eine Trinkpause für den Hund einhalten.

In Hamm übernachten wir nach 61km Strecke zum ersten mal. Als Unterkunft wählen wir Hotels, wo wir auch ohne Voranmeldung überall sehr entgegenkommend behandelt werden - trotz Hund und Rad. Schon im Vorfeld haben wir uns überlegt, dass wir gegen Abend keine Suchspielchen nach festen Adressen veranstalten wollen. Die freie Wahl der Unterkunft vor Ort erlaubt es uns, innerhalb von 15 Minuten unter einer heissen Dusche zu stehen :-) - Hotels gibt es überall. Es findet sich immer ein Stellplatz für Rad und Hänger - Notfalls in der Waschküche. Der Hund wird bedauert, und unser Vorhaben ungläubig bestaunt.

Hagen-Jadebusen

Der zweite Tag führt uns durch das Münsterland bis nach Telgte (51km). Die Beschilderung der Radwege verschlechtert sich, sobald man die Überregoinalen Routen verlässt. Ab und zu verlaufen wir uns und müssen anschliessend an Landstrassen entlang um die Irrwege wieder "auszugleichen". Häufig gibt es hier jedoch abgetrennte Radspuren, die in den Karten nicht verzeichnet sind, oder die Strassen entpuppen sich als akzeptable Landwirtschaftswege. Kioske, Bäckereien und Tankstellen decken unterwegs unseren Verpflegungsbedarf. Eisdielen versorgen die Seele ;-)

So vergehen die Tage wie im Fluge. Durch die Streckenwahl sieht Deutschland wie ein Agrarstaat aus. Felder, Höfe, Moore, Wälder, unzählige Flüsse und Bäche ...phantastisch, und das Wetter spielt mit. Die Leute unterwegs sind freundlich, bis auf einen Mittfufziger auf seinem Rennrad, der uns an einem steilen Ansteig im Teutoburger Wald zuruft: "Fahrräder schiebt man nicht!". Aha!

Hagen-Jadebusen Hagen-Jadebusen

Am dritten Abend erreichen wir Osnabrück. Hotel, duschen, Altstadt gucken und warmes Essen werden zum Ritual. Obwohl die Städte einerseits das Ende der Tages einläuten, sind wir andererseits froh, wenn es am nächsten Morgen wieder hinaus in die Landschaft geht. (Telgte war die Ausnahme!)

Zur körperlichen Belastung: Erstaunlicherweise sagen weder Muskeln, Sehnen noch Knochen oder Gelenke etwas. Die Beine brauchen zwar morgens immer 1-2km, bis sie wieder geschmeidig sind, machen aber sonst keinerlei Probleme. Am rechten Fuss bildet sich eine Blase, weil ich ja unterwegs unbedingt noch ein Paar frische 2080er einlaufen will (He - 10km am ersten Tag, 15km am zweiten, usw. Ich hatte ja 2 Paar dabei, also kein Spott bitte :). Die DS Gel Trainer laufen aber wie immer top. Einzig der Magen macht Probleme: Der Kalorienbedarf lässt sich tagsüber nicht mehr mit Obst und Riegeln decken, da der Geschmack spätestens am 3. Tag anödet - der Appetit auf etwas salziges wächst. Der Versuch einmal Mittags ein Döner zu essen wird mit heftigstem Aufstossen nicht unter 3h bestraft. Also reichlich Frühstücken, unterwegs Kleinigkeiten - Eisbecher etc. - und dann Abends richtig essen. Auch das Mineralwasser wird nach der 4. Flasche (es waren teilweise bis zu 26C und Sonnenschein!) fade, verhält sich aber neutraler als Apfelschorle und Cola.

Zum Tempo: Natürlich habe ich mich zuvor etwas erkundigt und das Tempo entsprechend angepasst, damit das Verletzungsrisiko geringer wird. Im Marathon laufe ich zwischen 6:00-5:00/km also 10-12km/h. Hier bin ich zwischen 7-9km/h (selten darüber) gelaufen, wobei sich durch Trinkpausen für den Hund die ein oder andere Minute Ruhe ergeben hat.

Zu witzig: Da das Tempo verhältnismässig gering ist verzichte ich auf den Brustgurt meiner Pulsuhr. Prompt meldet sich die Polar am 3. Tag stündlich mit dem Exercise Reminder, der dann Textmeldungen wie "Stay active" ausspuckt - die Erinnerungsfunktion für Faultiere. OK, woher soll's die Uhr auch wissen? ;-)

Der vierte Tag führt uns bis nach Vechta. Von Süden kommend gibt es viel Moor und noch mehr Gegenwind, der an den Kräften zehrt. Trotzdem ist die Landschaft mit ihren versprengten Gehöften wunderbar. Schlimm wird es erst kurz vor Vechta. Geflügelindustrie bzw. Hühnerlager - es stinkt erbärmlich. Gewerbeparks, hässliche Fassaden, Stimmungstief - die Hitze tut ihr übriges und nach 66km sind wir Abends froh beim Italiener zu sitzen und bestellen gleich 3 Haupt-Mahlzeiten für 2 Personen.

Am fünften und letzte Tag gilt es nochmal alles an organisatorischem Geschick aufzubringen: Mit 5° Grad am Morgen hatten wir nicht gerechnet. In den Geschäften am Ort ist aber schon alles auf Sommermode umgestellt. Ein KIK-Markt hat glücklicherweise ein paar Schals und Mützen für 10 Cent auf dem Krabbeltisch, und wir decken uns reichlich ein.

Hagen-Jadebusen Hagen-Jadebusen

So endet unsere Reise am 5.Tag gegen frühen Abend und nach insgesamt 274km in Kirchhatten.

Ob es anstrengend war? Die grösste Leidensfähigkeit hat meine Frau mitgebracht. Sie trotzte dem Gegenwind im Moor und zog das Gespann trotzt Hinternweh und Muskelkater. Selbst mit Mütze, Schaal und Laufsocken an den Händen macht sie immer noch eine gute Figur :) Für mich waren diese Tage der pure Luxus - ohne Pokal, ohne Urkunde, aber mit jeder Menge Bilder und Stimmungen im Kopf.

Team Ronja present

TorTour de Ruhr - längstern Nonstoplauf Deutschlands.

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