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Marathon des Sables - 237km in 6 Etappen - Sahara

8.-19. April 2004

"Die beste Frau der Welt fragt nicht nach dem 'Warum' und dafür bin ich ihr dankbar..."

Vorbereitung

Die Vorbereitung besteht im wesentlichen aus 3 Teilen:

  1. 5 Jahren Zeit um sich einzugestehen, dass man da hin will.
  2. Der Ausrüstung.
  3. Dem Training.

Alles begann irgendwann 1999 als Julia und ich fassungslos den MdS-Bericht auf Eurosport sehen, bei dem ein Kamerateam Joey Kelly durch die Wüste begleitet. 240km quer durch die Sahara laufen - welche Macht und Faszination muß ein solches Event auf die Teilnehmer ausüben, daß die sich so etwas antun? Ich habe damals nicht weiter darüber nachgedacht.

"Der Ring geriet in Vergessenheit und viele Jahre vergingen, bis eines Tages ein sonderbares Geschöpf..." - ähhh, Pardon, falscher Text. Also ich hatte den MdS schon lange verdrängt, als mir im Internet irgendwann 2001 Eric Tuerlings' MdS-Bericht in die Quere kommt, dem schliesslich weitere Recherchen folgen. Im Dezember 2002 lese ich von Erwin Bittel über den MdS 2000. Wir schreiben uns Briefe und ich bestelle sein Büchlein "Insha Yallah" welches ich bis heute 8-9mal gelesen habe. Das Buch ist inzwischen meine kleine Bibel. Ein wenig abgedreht (aber spannend!) beschreibt Erwin darin seine Empfindungen und Wahrnehmungen während des Rennens; nichts von Materialschlacht und Ziel-Zeiten.

Am 25.1.2003 überhole ich Angela Ngamkam und Edgar Kluge beim Ultra in Rodgau (50km). Kein Wunder: Die laufen schliesslich mit Rucksack und Gamaschen, und wollen zum MdS - ganz sicher! Angela schickt mir eine alte Ausschreibung; der Veranstalter weiss, wie man Läufer anfixt :-) - Bilder und Daten sind überwältigend, das Regelwerk ellenlang.

Im April 2003 verfolge ich den 18.MdS auf www.darbaroud.com. Jeden Abend stellt der Veranstalter den Tagesablauf, die Ergebnisse, Fotos und das Roadbook für die nächste Etappe ins Netz. Nach einigem hin und her ("Du machst da sowieso mit!") beschliesse ich im kommenden Jahr teilzunehmen. Ein Jahr soll für eine gründliche technische, konditionelle und mentale Vorbereitung genug sein. Vorbereitung Teil I ist erledigt - die Zeit ist reif ;-)

Diese Entscheidung klingt jetzt im Nachhinein so locker flockig, ist sie aber wirklich nicht. Zum einen sind es eine Menge Zeit und Geld, die ein solches Abenteuer verschlingt, zum anderen schiessen mir auch einige "was-wird-wenn"'s durch den Kopf. Von Andreas aus Österreich weiss ich, dass er im darauf folgenden Winter sogar auf's Skifahren verzichtet hat um keine Brüche zu riskieren. Und auch ich achte neben dem Training sehr auf Ernährung, Ruhephasen und Sauna um mir bloss keine Erkältung einzufangen. Das Schöne an einem solch langen Vorbereitungszeitraum ist natürlich die Vorfreude (wichtig für das "Messer zwischen den Zähnen") und so vergeht nun 1 Jahr lang kein Tag, an dem ich nicht an den MdS denke.

So ganz nebenbei werden im Mai Reisepass und Impfungen aufgefrischt, und im Juni schreibe ich Anke (Organisatorin für D, A und CH) an, um die Unterlagen anzufordern, doch die gibt's leider erst im September. Um die Zeit zu überbrücken gehe ich schonmal zur Phase II der Vorbereitung über und stelle mir aus den Ausrüstungslisten einiger Ex-Teilnehmer eine eigene Liste zusammen. So habe ich genug Zeit Angebote der Outdoor-Anbieter abzuwarten und die Sache nimmt ihren Lauf.

Nach und nach wird eingekauft, ausprobiert und interviewt. Im August bestelle ich den Yeti-Schlafsack bei Globetrotter: 418g (!), denn auf einmal spielen Dinge wie minimales Gewicht und Funktion eine Rolle :-). Am 4.9. treffen endlich die Unterlagen für die Anmeldung ein (JUHU!), die umgehend wieder ausgefüllt an Anke zurück gehen. Am gleichen Tag gibt's ein Paket aus Frankreich: Der Raidlight-Rucksack ist da! Sitzt gut und wiegt nix. Ausserdem treffen die Asics Trabuco Gr. 13 (also Gr. 48: Normalgrösse +2 für Laufschuhe, +2 für die Wüste) ein - wahre Elbkähne! Am darauf folgenden Wochenende ein erster Test mit dem Raidlight-Rucksack: 31km, scheuert nix, sitzt 1A.

Ende September fahren Juila und ich zum Treffen der MdS-Teilnehmer nach Reichenbach (schon verrückt, 800km zu fahren um einer Vorbesprechung beizuwohnen). Die Themen: Veranstaltung, Ablauf, Ausrüstung, Ernährung (!). Besonders interessant sind die Tipps und Annekdoten der Wiederholungstäter. Durchweg lustige und hilfsbereite Leute - hier fühle ich mich wohl :-) Anke bestätigt die Anmeldung: Ich bin dabei!

Im Oktober tausche ich einige Mails mit Andi aus Österreich. Wir haben uns kurz in Reichenbach kennengelernt und wollen beim MdS die Kocherausrüstung teilen, um Gewicht zu sparen. Trainingsvorhaben und Ausrüstungsideen wechseln hin und her. Inzwischen ertappe ich mich selbst beim einfachen Einkauf im Supermarkt dabei, wie ich Zahnpasta-Mini-Tuben, Babynahrung etc. auf Gewicht und Kalorien hin analysiere. #-)

Nachdem Anke Mitte November die Teilnehmerliste rumgeschickt hat verabreden wir Teilnehmer aus NRW (Sabine, Colin und Hugh) uns am 12.12.03 zum Lauftreff am Baldeneysee bei Sabine. Im Stirnlampenschein geht es mit unserer Huskyhündin Ronja im Geschirr um den See.

Im Dezember wird die Einkaufstour bei eBay, Globetrotter, etc. fortgesetzt. Travellunch, Kompass, Compeed, Kodan, Schlangenbiss-Set... da kommt was zusammen. Trinksystem nebst Halterung bastel ich mir im Januar '04 mit 2x750ml Flaschen, Schlauch + Mundstück (Deuter). 10km-Test mit vollen Flaschen und 3 Harry Potter als Gegengewicht (total ca. 5kg). Tags darauf 27km-Test bei Dauerregen mit 4kg Rucksack: Nur eine leichte Scheuerstelle. "TipTop" wie die Schweizer sagen und Laufkollege Rudi muss meine Begeisterung für das Equipment über sich ergehen lassen ;-) Julia hat die Gamaschen aus Chintz genäht wobei Motorradstulpen als Schnittbogenvorlage dienen. Die Gamaschen werden nun mit der Sohle der Trabucos verklebt. Was für eine Stinkerei!

Angela gibt Ratschläge und findet weiteres Einsparpotential in meiner Ausrüstungsliste. So kann man sich zum Beispiel vor Ort aus leeren Wasserflaschen Kaffee-Becher basteln - der Becher kann also raus, dafür eignen sich kleine Scheren besser zum Blasen aufschneiden als Messer. Überhaupt gibt es Kuriositäten: Ich habe von Teilnehmern gehört, die ABC-Pflaster gegen die Kälte tragen (Nachts) anstatt schwerer, wärmender Kleidung. Ganz gefährlich sollen übrigens abgesägte Zahnbürsten sein (jedes Gramm zählt!), weil sie leicht verschluckt werden.

Inzwischen hat auch mein 14 Wochen-Lauf-Programm (Phase III der Vorbereitung) begonnen. Schwerpunkt: Lange Läufe (ruhig weg), Bergläufe statt Intervalltraining, ab und zu mit Rucksack. Geplant sind u.a. 1-2 Ultras und 1-2 Marathons bis April. Rodgau (50km) Ende Januar muss leider entfallen, da ich mir irgendwann unter Vollast - bergab, Ronja im Geschirr, Rucksack mit Gewicht - das Knie verdrehe. Es folgen 3 Wochen mit Pause und reduziertem Laufpensum und der Hoffnung auf Besserung. Dank einiger Krankengymnastik geht es weiter. Ruhig Blut - bis April ist ja noch Zeit, und den Winter über war ich nicht untätig.

Die Wochen vergehen und das Laufpensum pendelt sich wieder bei 70-90km/Woche ein. Immer wieder werden Brillen, Trinkflaschenposition und Kleidung getestet - die Schuhe (mit Gamaschen) werden, begleitet von verdutzten Blicken entgegenkommender Läufer, eingelaufen. Der Veranstalter gibt die Startnummern bekannt: Nr. 340 - die Sache wird langsam ernst ;-)

Mitte März dann zum Leistungscheck ins Sportinstitut Iserlohn. Wie im letzten Jahr das Herz begutachten lassen, auf's Laufband (Ja, das ganze Programm mit HFmax, Laktat usw.) und ein paar warme Worte mit Dr. Lorenz wechseln. Die langen Läufe im vergangenen Jahr zeigen ihre Wirkung: Die HF ist bei gleicher Leistung nochmal um 10 Punkte abgesunken. Praktischerweise lasse ich mir das Medical Certificate absegnen und nehme ein Stück EKG-Kurve mit - beides brauche ich am 10.4. in der Wüste zum "technical and administrative check".

Nach vielen LongJoggs folgt am 21.3.04 die Generalprobe: Der 6-Stunden-Lauf in Rothenburg an der Fulda. Der als Trainingslauf - mit dem Ziel 50-60km verletzungsfrei zu überstehen - geplante Ultra übertrifft meine eigenen Erwartungen: Nach 6 Stunden stecke ich mein Zielfähnchen bei km 61.626 neben der Strecke in die Wiese. Eric (O-Ton: "Anmelden, Laufen, Leiden und heimfahren.") und Petra, die bereits 2001 beim MdS teilgenommen haben, geben die letzten Ratschläge und Wünsche mit auf den Weg; werfen einen prüfenden Blick auf meine 100-fach überarbeitete Ausrüstungsliste.

So, nun wird es Zeit. Ein Jahr Vorbereitung ist um, nur noch wenige Tage und Nervosität macht sich breit. Irgendwie muss ich noch 800g aus dem Rucksack streichen, weil ich mit gut 9kg auf dem Rücken auskommen will. Und dann geht's los...

Jens beim MdS

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