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Marathon des Sables - 237km in 6 Etappen - Sahara

8.-19. April 2004

Fear and sweat, my muscles ache
I smile, but it's just a fake
I fade away [...]

(The Gathering - Third Chance)

5. Etappe: 42 km JEBEL MEGAG / JEBEL BOU DEBGANE

(Marathon Etappe)

[ 554 runners, 43° degrees, 13% humidity, Kamera defekt ]

Marathon nach fast 180km in den Beinen, dafür stehen lt. Roadbook keine Dünen mehr an. Die Nacht war kalt, ich friere, dann wird es wieder schlagartig heiß sobald die Sonne rauskommt. Die letzten Riegel in die Beckenfächer des Rucksacks umpacken, Pulverfrühstück und zur Feier des Tags Instant-Kaffee - purer Luxus!

Die letzte echte Prüfung. Morgen ein lächerlicher 20er. Kurt will es wenigstens versuchen und schneidet die Schuhe an den Seiten auf, damit die kleinen Zehen nirgendwo gegen drücken.

Auf zum Start, einige Teilnehmer humpeln, aber keiner geht an Krücken, wie ich es in Berichten der letzten Jahre gelesen habe. Briefing, Geburtstage, "Drink a lot...", Wettervorhersage, das übliche Programm. Countdown, "Allez!" und plötzlich können alle wieder laufen.

Jeder läuft sein Tempo, Mario und Andi fallen im Getümmel zurück, und nach einigen Kilometern bin ich hinter Anke und Nina (beide 7. in der Frauenwertung). Ooops - viel zu schnell, oder? Sie laufen zügig, etwas neben der Strecke und ich bleibe lieber etwas dahinter. Dann läuft Mario auf und wir überholen die Beiden. Bis CP1 wird es wahnsinnig heiß, kein Wind geht. Mario will am CP ein paar Minuten rasten, ich laufe direkt weiter.

Zum ersten mal in dieser Woche treffe ich Ernst-Albrecht (ich bin doch zu schnell) und überhole ihn. Egal jetzt - genug aufgespart - Heute ist Raceday! Es läuft halt super. Die Mittagshitze ist schlimmer als sonst, aber ich versuche sie im Kopf auszuknipsen. Die Trinkintervalle werden immer kürzer und schon bald muss ich alle 5min trinken. Hoffentlich reichen die 1.5L. Bei CP2 raste ich ebenfalls nicht, sondern fülle nur das Wasser um und hänge mich sogleich an Nr. "456", die Frau von irgendeiner Nato-Truppe. Ob die dafür Sonderurlaub bekommen? Sie ist zwar schneller, wechselt aber regelmäßig zwischen Lauf- und Gehphasen, so dass ich sie immer wieder einhole.

Links erstrecken sich wunderschöne Bergzüge, die Landschaft ist wunderbar. So gerade eben reichen Wasser und Buffer bis CP3 (KM36). 4:15h zeigt die Uhr. Egal wie der Untergrund nun ist (die Landschaft sieht aus wie auf dem Mars) und wie das Knie schmerzt. Unter 5h sind drin, also los! Ich folge einem Franzosen, der über die Steine fliegt ohne den Boden zu berühren - der zieht mich. Bloss nicht umknicken.

Das Ziel kommt in Sicht, aber die Entfernung ist nicht einschätzbar. Auf der Ziellinie sehe ich Sabine vorne, dann stürmen 3 Briten an mir vorbei (woher haben die den Turbo?) und schliesslich finishe ich bei 4:50h als 147'ter. Boah, das soll als Nachricht nach Hause ausreichen. ;-)

Nach den obligatorischen 4.5L Wasser muss ich Zelt "35" suchen, weil Eberhard die Flagge noch nicht gehisst hat - er ist erst 10min hier. Kurz darauf trudelt auch Mario ein - trotz offener Füsse. Nach und nach füllt sich das Zelt wieder und nach 8h kompletiert ein überglücklicher Kurt die Besatzung.

Essen. Ein Reporter vom Hessischen Rundfunk ist extra eingeflogen um eine Reportage zu machen. Nach der Audienz beim Veranstalter sucht er nun Interviewpartner in unserem Zelt. Er zieht die Schuhe aus (aus Höflichkeit) und riecht frisch geduscht und rasiert. Sein Geruch fällt auf, ja er riecht komisch. Wir nicht. Wenn alle 8 stinken, riecht keiner den Anderen - der hier fällt auf. Andi, Natascha und Eberhard beantworten seine Fragen, mein Intreresse sinkt rapide, als er versucht die Harte-Jungs-Story in den Vordergrund zu hieven: "Warum wälzen Sie sich hier im Staub, laufen Hunderte Kilometer durch die Hitze und essen abends Tütensuppe? Ist das hier ein Survival-Camp?"

Reste-Essen. Ständig ißt Irgendjemand. Ich glaube ich habe etwas abgenommen. Gegen die täglich verbrauchten 6-8.000 Kalorien habe ich nur 2-2.5000 entgegenzusetzen. Mehr kann ich nicht tragen und bestimmt auch nicht im Magen halten. Morgen abend um diese Zeit sitzen wir auf Sitzmöbeln und räumen das Buffet, soviel ist sicher. Vorfreude. Aber auch Trauer, denn mehr als in einen Rucksack passt habe ich nicht benötigt - vermisst habe ich nichts.

6. Etappe

Jens beim MdS

Team Ronja present

TorTour de Ruhr - längstern Nonstoplauf Deutschlands.

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