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Marathon des Sables - 237km in 6 Etappen - Sahara

8.-19. April 2004

"Die Toten werden am Ende der Schlacht gezählt." (Eberhard)

2. Etappe: 34 km OUED EL KHAIT / LAC IRIQUI

(Wochentag und Datum verblassen, die Nummer der Etappe wird zur Zeiteinheit!)

[ 586 competitors, 43° degrees, 10% humidity ]

5:45 "Yalla Yalla" - 10 Zelte weiter werden die Behausungen bereits abgerissen und die Insassen vor die "Tür" gesetzt. Ratz-Fatz sind die Zelte wieder auf den LKWs und unterwegs in Richtung Biwak3. Heute 34km. Mario, Andi, Kurt und ich wollen gemeinsam laufen - langsam wegen der 22km Dünenpassage morgen und dem 76er Ultra danach - es zählt zwar immer nur die Tagesetappe, aber etwas Weitsicht kann nicht schaden. Also Gang raus, Kraft sparen.

Morgentliches Umpacken: leichte Kleidung nach unten, schweres Essen nach oben. Starter aus der Tüte (keinen Topf spülen müssen) zum Frühstück, ein Riegel, manchmal Kaffee. Heute ist Ostermontag, also die Jakobs "Krönung" (Instant) in den abgesägten Wasserflaschenboden gegeben, die bevorzugte Kaffeetasse der Gewichtsparer, wie ich einer bin.

Vorne im Startbereich stehen Patrik Bauer und seine Dolmetscherin wieder auf dem Dach ihres Landrovers und rufen zum Briefing. Begrüßung, Eckdaten der heutigen Etappe, Streckenbeschaffenheit und -länge. Geburtstage werden verlesen, Wettervorhersage "hot, blue sky" (laaangweilig). Wir können den Text fast mitsprechen - ergänzen um "Drink a lot, piss a lot and everything will be ok!". Countdown, Start, der Helikopter schwenkt über das Starterfeld (die klassischen Eurosportbilder) - alle rennen. Den tieferen Sinn dieser morgendlichen Prozedur verstehe ich erst viel später.

Die ersten 10km bis CP1 laufen wir und verlieren Kurt, den wir am CP3 wieder aufgabeln. Eigentlich ist die Etappe vom Untergrund her leicht zu laufen, beim Geröll muss man etwas aufpassen, dass man nicht auf zu große oder scharfe Steine tritt. Auch die in der Karte eingezeichneten Pässe erweisen sich als leichte Hügelketten, nix wildes. Nur diese Hitze... Kein Wind, der Kopf beginnt zu glühen, trinken, trinken, trinken. Weil ich noch immer kein Gefühl für Durst entwickelt habe muss ich nach der Uhr trinken, alle 10 Minuten Wasser, alle 30 Minuten Buffer. Zwischen 2 CPs müssen 1.5L durchrauschen - ja, so geht es.

MdS2004

MdS2004

So viele Ockerfarbtöne hier - Wahnsinn! Geröllpiste und endlose Weite, bis zum Horizont kein Ende der Strecke auszumachen. In der Hitze verliere ich auch das Gefühl für Zeit. Wir hangeln uns von CP zu CP. Das Umfüllen der ausgehändigten und nummerierten Wasserflaschen klappt immer besser, ein paar Minuten verschnaufen, nach über 5h und immer noch mehr als 8kg auf dem Rücken Gehpausen, Kraft sparen, nicht auspowern.

MdS2004

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Am Horizont taucht das Etappenziel auf, aber es dauert noch 30 Minuten bis wir tatsächlich drin sind. 5:30h wird zu Hause bestimmt als schlechtes Zeichen interpretiert, obwohl es reine Vorsicht ist. Das *müssen* die Daheim doch im Roadbook voraussehen. "Die Toten werden am Ende gezählt" und darum ist mir die Platzierung heute wieder egal.

Im Zelt angekommen wieder trinken, Blasen aufschneiden usw. Es gibt 3 Methoden Blasen zu versorgen: 1.) aufschneiden, desinfizieren, über Nacht austrocknen lassen, 2.) aufschneiden, desinfizieren, Compeed (Gel-Pflaster) drauf, 3.) aufschneiden, desinfizieren, tapen. Ich probiere von jedem etwas an meinen Füssen aus, habe dann mit 1.) am meisten Erfolg und tape oder compeede erst kurz vor dem Start. Problematisch ist in jedem Fall der Sand, feinster Staub, der überall ist und so auch in die Blasen gerät. Heute gibt’s nach dem Travellunch noch "Kartoffelbrei - versalzen", hmmm lecker! Wir lauschen gespannt Eberhard, der von der morgigen Dünenetappe erzählt, die 2000 so vielen Läufern zum Verhängnis wurde.

MdS2004

Die E-Mails werden gebracht, Schweigen im Zelt. Die Schreiber sind so weit weg, dass es schon fast nicht mehr wahr ist. Ich muss mir passend zum Namen die Gesichter in Erinnerung rufen.

Ich bin zu faul um auf die heutige Rangliste am Rezeptionszelt zu schauen. Nina ist jedenfalls 12. Frau! 19:45 ist Bettzeit, und auch zum Steine klopfen bin ich zu faul. Pulver und Riegel für Morgen zusammenstellen. Licht aus.

3. Etappe

Jens beim MdS

Team Ronja present

TorTour de Ruhr - längstern Nonstoplauf Deutschlands.

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