Marathon des Sables - 237km in 6 Etappen - Sahara
8.-19. April 2004
I wanna be in another place,
I hate when you say you don't understand,
I wanna be with the energy, not with the enemy,
a place for my head.
(Linkin Park - A place for my head)
1.Etappe: 28 km OUED AMSAÏLIKH - OUED EL KHAIT
Sonntag 11.4.2004 (Start-Etappe)
[ 587 competitors, 41° degrees celsius, 15% humidity ]
4:00 Uhr pinkeln. Mond und Sterne reichen als Beleuchtung. Orion, Großer Wagen und
Nordstern
muss ich suchen vor lauter Lichtpunkten. Der Sternenhimmel reicht runter bis zum
Horizont - phantastisch - und kalt.
5:30 ein 8.-faches "Frohe Ostern" schallt aus dem Nachbarzelt. Ach ja, es ist
Feiertag. Raus aus dem Zelt, es wird
abgerissen, auf einen LKW verladen, und zum nächsten Biwak gebracht.
Mein ganze Habe liegt auf einem Stück Pappkarton. Umpacken, Fotoapparat, Riegel,
Buffer anmischen, Frühstück zubereiten, mit dem Esbitkocher Kaffee kochen, dicke
Laufkleidung aus - es wird schlagartig warm. Die Schuhe schnüren - ich bin
gespannt wie es in der Hitze mit den Gamaschen wird.


Und dann zum Start, ein Gruppenfoto,
morgentliches Briefing, der Helikopter kreist...komisch - bin kein bisschen angespannt.

10, 9, 8, ..., 1 - allez! Endlich! Der Tross geht viel zu schnell an, der Untergrund
ist aufgewühlt, der Helikopter geht 3-4x über die Läufermenge fürs TV,
das Feld zieht sich rasch auseinander. Ich will mich an keinem Anderen orientieren
um selbst das optimale Tempo für diesen Untergrund, das Rucksackgewicht
(8,3kg +1.5kg Wasser)
und die Temperatur finden. Treffe Hugh, er läuft im Schottenrock und ist
bestimmt in jedem Fotoapparat und jeder TV-Camera. Es geht ihm wie Immer:
"Ahh, not so bad!".
CP1 (CP=CheckPoint: obligatorische
Wasserstelle, die im Roadbook eingezeichnet ist und angelaufen werden muss - andernfalls
kein Wasser und Zeitstrafen)
bei 9.5km, 1:03h. Eigentlich zu schnell bei den Bedingungen, aber Top Gefühl.


1.5L Wasser fassen
und in die Trinkflaschen an den Rucksackträgern umfüllen. Während ich einen
Riegel verdrücke kurzer Wortwechsel mit Andi und Mario. Weiter, einen kleinen Abstieg
entlang, so wie in Davos mit Steinen denen man ausweichen muss (zu klein zum draufsteigen)
weil sie groß genug sind
um weh zu tun. Die Sahara besteht ja nur zu 10-15% (?) aus Sanddünen, der Rest
ist Piste und Geröll (gravel, sandy,....). Dabei hole ich Kurt ein,
der ebenso von den Farben ringsum fasziniert
ist. 1000 Ockerfarbtöne, wie sie kein Farbkasten hermischen kann.
Teilweise geht es über sandigen Boden, auf Dauer anstrengend, weil man ständig
einsackt. Dann wieder Geröllpiste.


Ich laufe durch bis CP2 (bei KM19) in 2:20h - ja, die Kilometerschnitte zählen hier
etwas anders. 1.5L Wasser nehmen und ein Doc Trotter fragt mich, ob alles OK sei.
Immer patroulieren Ärzte oder Orga auf der Strecke per Jeep vom Typ Land Rover Defender -
nicht diese Asphalt-Spielzeuge.


Im Internet schreiben
sie von 44 Grad mittags. Die letzten km bis
zum Ziel schmerzt das Knie rechts etwas. Sabine holt mich ein und wir quatschen etwas.
"Dunettes" (was für eine Wortschöpfung, die Dinger sind einfach genauso schlecht zu
laufen wie ausgewachsene Dünen. Also "ne pas bien für les haxettes") und dann
die Sicht auf die Zielballons. Das gibt nochmal Schwung, und Sabine macht
ein Zielfoto mit meiner Camera. Für
heute reicht's. 4.5L , die Deutschlandfahne mit dem
Niedersachsen-Pferd ist gold
wert - bei 80 gleichen Kaffee-Sack-Zelten finde ich mein Zuhause -
Zelt "35" - auf Anhieb. Selbst bei den Österreichern verstummt nach und nach
jede Kritik am Banner.
Nina, Natascha, Eberhard und Ernst-Albrecht sind bereits da. Trinken, Blasen
versorgen, Refresher, kochen - hmm Travellunch - Tütenfrass frei
von jeder Kritik - echt lecker und salzig.


Nina kann nur wenig essen - ihr ist schlecht.
Zwei freundliche Fanzösinnen bringen abends die Post: 12 E-Mails.
Familie, Freunde, die Steppenhühner schreiben. Wahnsinn, wir haben kein Klo,
kein fließend Wasser, liegen im Staub aber haben Kontakt via Internet. Umgekehrt
werden sie heute Abend erfahren, dass es mir gut geht. Ich habe abgemacht, dass ich
nicht anrufe, sondern dass es mir gut geht, solange ich in der Wertung bin.
226ter ist eine gute Botschaft.
Der restliche Tag dreht sich ums Essen machen (Andi und ich gönnen uns
noch einen Babybrei und essen Nüsse), Ausrüstung improvisieren und
den Tag revue passieren lassen.
Das Erlebte austauschen, im Roadbook die morgige Etappe lesen und verstehen.
Übermorgen die harte Dünenetappe, also morgen etwas bremsen.
20:00 uhr liege ich im Schlafsack, noch ist es zu warm, aber schon dunkel
Der Sternenhimmel, das Oster(?)feuer
in der Lagermitte, um das die Berber singen und tanzen. Zelt "35" schläft, während ich
Wäsche sortieren muss (irgendwie gibt es immer was umzupacken) und mir im Schein der
Stirnlampe Notizen mache.
Mal sehen ob diese Nacht die Steine durch dem Teppich drücken. Noch räume ich sie
nachmittags weg oder klopfe sie platt - noch!
2. Etappe