
"Sandy, Gravel, Dunettes, Sandy,... - Wer verdammt ist diese Sandy?" (Stimme zum Roadbook)
Nach 3h Zugfahrt treffe ich im Frankfurt-Airport ein, wo ich im Cafe auf Andi, Mario, und Kurt treffe. Am Schalter der Air Maroc warten Angela und Edgar, die im letzten Jahr dabei waren und eigens zur Verabschiedung hierher gekommen sind. Nach und nach treffen die Teilnehmer ein. Einer trägt statt eines Finisher- ein "Survivor"-Shirt: Eberhard war beim Dschungelmarathon in Brasilien, erzählt von Nacht-Etappen in Begleitung eines Jaguars, und ist nun zum 7. mal beim MdS. Er stellt noch in der Warteschlange eine Zeltbesatzung zusammen und versprüht MdS-Basiswissen pur. So viele Geschichten rundherum.
Ein Teilnehmer hat den Arm angewinkelt: Schlüsselbeinbruch. "Das tut mir aber leid, dass du nicht mitlaufen kannst" - "Wieso? Ich laufe doch mit den Beinen!". OK - Fettnapf dezent beiseite schieben. Wo bin ich hier gelandet? <:-)
Flug nach Casablanca. Mein persönlicher Rekord im Zeit-tot-schlagen liegt nun bei 6h, aufgestellt im Flughafen-Cafe - warten auf den Weiterflug nach Quarzazate. 0:30 (Zeitverschiebung, eigentlich 2:30 Uhr) schlagen Andi und ich im Hotelzimmer auf.
Wir besetzen Zelt "35". Von links liegend: Mario , Kurt , Nina, Eberhard, Ernst-Albrecht, moi, Andi, Natascha. Eine Deutsch-Österreichische Mischung mit einem Chirurgen, einem Running-Coach, einer Physiotherapheutin, zwei Abendteurern (mit 7- und 3-facher MdS-Erfahrung) - alles da was man die Woche braucht - und um es vorweg zu nehmen - Zelt "35" hat super funktioniert.
19:00 Uhr Essen. Es ist das gleiches Catering wie bei der Paris-Dakar: Rotwein, Camembert, Nudeln mit Fleisch, Lauchsuppe, Yoghurt, u.v.m. mitten im Nirgendwo, Speisen vom Feinsten. 19:30 Uhr blitzschnell wird es dunkel und windig, den Engländern klappen die Berberzelte zusammen und eine Isomatte fliegt im Lampenschein vorbei. Sand fegt durchs Zelt. Pinkeln (ja, es gibt keine Toiletten!), Zähne putzen, ein paar Notizen weil ich sonst alles hier vergesse und um 20:00 Uhr liegen alle im Schlafsack. Letzte Witze, Anekdoten. Irgendwann nachts treffen die Franzosen ein.
Sachen packen auf 1x2.5m Teppich: Pflicht+Kleidung in den Rucksack, Nahrung extra in gelbe Säcke (wird separat gewogen), letzte Tüten umpacken, Formulare ausfüllen, Rennkleidung an, einpacken, auspacken, umpacken, die Ersten laufen draussen schon "probe" in voller Kluft+Rucksack. Alles Unnötige in den Koffer (ähh den Seesack) zur Abgabe. Kurt gibt noch schnell Kompass-Unterricht, "Navigation nach Roadbook" für Anfänger - er hat viel Afrika-Erfahrung.
Die technische Abnahme - sehr gefürchtet - stellt sich in diesem Jahr als Witz raus. Außer EKG und "medical certificate" wird nichts kontrolliert.
Ich lasse den Rucksack trotzdem wiegen: 8,3kg - wie berechnet. Koffer (Seesack) weg - und dann stehen wir quasi nackt da! 17:00 Uhr ist Briefing. Patrick Bauer begrüßt alle, und wiederholt, was eh schon bekannt ist: trinken, schützen, das Reglement, Danke an die Sponsoren,....
Dann das letzte gestellte Abendbrot, ab morgen gilt Eigenverpflegung. Ein 3-Gänge-Menue mit Bier und Wein. Die Henkersmahlzeit.
Um 20:00 Uhr liegen alle im Zelt "35" in den Schlafsäcken und lauschen dem gute Nacht-Witz. Keine Anspannung, stattdessen ausgelassene Stimmung. In der Mitte des Biwaks brennt ein Lagerfeuer und Eingeborene tanzen drumherum. Prima Einschlafmusik. Auch ohne Unterlage schläft es sich, obwohl nur Schlafsack und Teppich zwischen mir und dem Boden sind. Als Seitenschläfer muss ich nachts ab und zu die Hand unter den Beckenknochen legen, weil's so hart ist. Aber ich lerne noch auf dem Rücken zu liegen. Laufschuhe eignen sich übrigens hervorragend als Kopfkissen.