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24h-Schwimmen im SSLZ Wuppertal

24.-25. Januar 2009

Ein bisschen was von Titanic.


Kurzbericht vom 24h-Schwimmen im Schwimm Sport Leistungs Zentrum Wuppertal.

Eigentlich war das 24h-Schwimmen ja nur als Test für den Triple-Ironman in Lensahn im Juli gedacht. Also 11.4km schwimmen und schauen "wie sich das anfühlt". Danach wollte ich mal schauen, wozu ich noch Lust habe...

Yogi und ich sind zeitgleich kurz vor 13:00 Uhr zum Start im Schwimm-Sport-Leistungszentrum Wuppertal eingetrudelt. Startgeld 3,50 + 1,50 für die "Totenkopf"-Startkarte. Seit meinen Kindheitstagen hatte ich nicht mehr davon gehört: Dem unerreichbaren Totenkopf-Aufnäher, der neben Frei-, Fahrten- und Jugendschwimmer die Badehose zum Poser-Outfit verwandeln konnte ;-) Heute würde er als Abfallprodukt, ganz nebenbei herausspringen.

Ca. 15 Stück 25m-Bahnen sind abgesteckt in der modernen, gut aufgeheizten Halle. Leider sind für die zu erwarteten 1000 Teilnehmer, die sich über die 24h einfinden sollten, zu wenige Zählposten am Beckenrand. Auf den 5-6 "besetzten" Bahnen tummeln sich anfangs jeweils 10-20 Schwimmer, und an ein zügiges, freies Schwimmen ist gar nicht zu denken.

Die Orga gewährt uns eine eigene Bahn, bittet uns gegenseitig die geleisteten Bahnen auf den Startkarten zu zählen, und so beschliessen Yogi und ich kurzerhand, dass wir uns gegenseitig zählen und betreuen. Sicherer und ehrlicher ist das allemal, denn wer der Offiziellen will 20 durchnummerierte Badekappen fehlerfrei auf 20 DinA6-Karten abstreichen?

Ich will beginnen, nach 11.4km wollen wir wechseln. Dadurch dass wir nicht zeitgleich im Wasser sein können kommen zwar keine Topleistungen zusammen, aber unsere Lensahn-Tests können wir 1a umsetzen. Also Badekappe und Schwimmbrille auf, die Anzahl der zu schwimmenden Bahnen für jeweils eine Ironman-Distanz a 3.8km ist mit Edding auf die Hand geschrieben und ab ins Nass.

Was dann kommt ist ähnlich schwierig zu beschreiben, wie ein 24h-Lauf selbst: Man schaltet ab und schwimmt. 1 Bahn, 10 Bahnen, 152 Bahnen für 3.8km. Auf die Kraul-Technik achten, keine Kraft verschwenden, in Gedanken versinken. Dazwischen alle 20-30min trinken, vielleicht jede Stunde eine Kleinigkeit essen. Wir postieren reichlich Getränke am Beckenrand - natürlich in Plastikflaschen damit es keine Scherben gibt.

Nach gut 1:30 sind die ersten 3.8km rum. Miserable Iron-Zeit, aber ggf. zu schnell für die Gesamtdistanz?!? Ach was! Rücken und Arme sind wohlauf, also kurze Pause und danach weiter. Zwischendrin müssen wir die Bahnen wechseln und tauchen bei den Trias aus Sprockhövel mit unter. Angenehme Gesellschaft, witzig und gut drauf! Die haben sich richtig vorbereitet, von der Physio-Liege bis hin zum Unter-Wasser-MP3-Player, und sind mit Plan auf 42-50km geeicht. Das Gesicht und der Vorname ihrer erkälteten, und daher nicht schwimmenden Betreuerin kommt mir irgendwie bekannt vor. Tatsächlich erfahre ich später, dass sie, Conny Dauben von der TSG Sprockhövel, die Siegerin des letztjährigen Ostseeman (s. Bericht www.jensgehtlaufen.de/ostseemann-2008) ist. So klein ist die Welt. Ich höre gespannt den Geschichten um den Ultratriathlon zu.

Kurz nach 15:00 Uhr ruft mir Yogi "noch 5 Minuten bis zum 2h Totenkopf" zu. So schnell geht das. Ich lasse locker gehen bis Kilometer 7.6 - der doppelten Ironman-Distanz, die ich bei 3:16h erreiche. Immer noch super in der Zeit, 1:45h für den Split. Kurze Dehnpause und eine Kleinigkeit essen. Ab ins Wasser, das letzte Drittel ruft.

Die Luft wird unangenehm (Chlor?), die Trinkintervalle werden immer kürzer. Verspannung hier, die falsche Getränkemischung da - nützliche Erfahrungen für den Sommer. Zwischendurch hält Yogi für YouTube die Kamera auf's Wasser und in mein verquollenes Gesicht. "Ein Film sagt mehr als 1000 Bilder" ;-)

Nach 5:18h sind die 456 (!) Bahnen endlich rum; war ja nicht "auf Zeit". Mit Neo wird die 5h-Marke locker zu unterbieten sein - ich bin mehr als zufrieden. Wir wechseln, und Yogi, der nach eigenen Angaben seit Monaten nicht im Wasser war, spult die Bahnen runter als wär es nix. Hut ab! Ich reiche ihm ab und zu Getränke und Riegel. Nach 2h reibe ich ihm seinen Totenkopf unter die Nase. Keine Chance - der steigt nicht aus dem Wasser sondern zieht durch (siehe Video).

Immer wenn er auf meiner Seite anschlägt sind 50m rum, ein Strich, 2x50 sind ein Kreuz auf der Karte, 10 Kreuze sind 1km, usw. und usf. Ich weiss nicht was schlimmer ist: 5h schwimmen, oder 5h am Beckenrand Zählstriche eintragen bei der warmen, schwülen, chlorhaltigen Luft. Die Hustenanfälle einiger Teilnehmer häufen sich. Tropen in Wuppertal. Hier müsste mal jemand lüften.

Gegen 00:30 Uhr ist auch Yogi nach 5:30h durch, und ich bin froh, mal wieder ein paar Bahnen zu schwimmen. In der Nacht wird es doch merklich ruhiger und entspannter. Die Halle wird abgedunkelt und die Unterwasserbeleuchtung ist eingeschaltet. Ich mag diese Stimmung: Es ist Nacht, alle Zeit der Welt, keine Hektik, keine Geräusche ausser dem Wasser. Manchmal, wenn ich mich dem Beckenrand nähere und der Schein der Unterwasserbeleuchtung in mein Blickfeld gerät, erinnert es an Szenen aus Titanic, wo Teile des untergehenden Schiffes noch Licht in die kühle dunkle See aussenden. Nachts zwischen 01:00 und 03:00 Uhr - übermüdet, entrückt, wunderschön.

Zwischendurch hole ich eine weitere Zählkarte ab, denn die sind nur bis 15 Kilometer ausgelegt. Bis zum Morgen ziehe ich noch bis zur fünffachen Irondistanz durch. Am Ende muss ich dem Wasser jedoch jede einzelne der 760 (!) Bahnen abringen bis ich morgens um kurz vor sieben keine Lust mehr habe. Yogi hat 13,5km, ich 19km auf der Karte - das langt.

Bis auf die linke Schulter ist alles im grünen Bereich. Wieder mal viel über Ernährung und Kopfarbeit gelernt - Lensahn kann kommen.

Für "mal sehen wir sich das anfühlt" war das super geeignet. Selbstverständlich trage ich seit Sonntag nur noch Badehosen mit dem Totenkopf drunter - also Vorsicht! B-)

PS: Gewonnen hat übrigens der Markus vom TSG Sprockhövel mit 40km. Respekt!


Video: Yogi. laufen.joergschranz.de.

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